Die Jahre mit Adam waren ein einziges Geschenk
Wie viele Pläne, welche Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft erfüllen eine junge Frau, wenn sie mit 23 Jahren heiratet – auch im Jahr 1940. Vier gemeinsame Jahre erlebt Clarita von Trott zu Solz mit ihrem Mann Adam, das letzte belastet durch räumliche Trennung.
Als er nach dem missglückten Umsturzversuch vom 20. Juli am 15. August 1944 vor den Volksgerichtshof geführt wird, gelingt ihr für einen kurzen Moment der Zugang zum Gerichtsgebäude bis zum Saal hinter dessen Türen Freislers geifernde Stimme wenig später das Todesurteil verkündet. Auf dem Weg dorthin erfährt sie, dass ihre beiden kleinen Töchter mit unbekanntem Ziel verschleppt worden sind. „Ich wusste, ich hatte die Wahl, die Herrschaft über mich zu verlieren oder gewaltsam zu vergessen“, antwortet sie später auf die Frage, wie man so etwas aushält.
Nach eigener Sippenhaft und Heimkehr der Kinder, nach ersten Nachkriegsjahren in Berlin, beginnt Clarita Medizin zu studieren. Nach dem Staatsexamen macht sie ihren Facharzt in Psychiatrie und Neurologie, promoviert, lässt sich als Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin nieder und arbeitet bis zu ihrem 80. Lebensjahr. „Die Jahre mit Adam waren ein einziges und auch einmaliges Geschenk“, sagt sie im Nachhinein. „Es war eine ununterbrochene Bewegung auf ihn zu, und die führte zu einem immer wachsenden Verstehen zwischen uns.“
Schon 1949 strengt sie mit anderen zusammen einen Anti-Nazi-Prozess gegen Wolfgang Hedler an, der in seinen Wahlreden für das erste deutsche Nachkriegsparlament die Widerstandskämpfer verleumdet. Auf den Sinn des 20. Juli angesprochen antwortet sie vor 40 Jahren in zeitloser Aktualität über die Menschen, die mit Adam zusammen versucht hatten, die NS-Herrschaft zu stürzen: „Sie hatten keinen Erfolg. Aber sie setzten Maßstäbe. In mancher Hinsicht empfinde ich sie als geistige Weggenossen derjenigen, die die Welt heute gegenüber neuen tödlichen Gefahren wachrütteln wollen.“