Im Gestapo-Verhör hält sie stand

Im Gestapo-Verhör hält sie stand

„Weiß mehr als sie zugibt“, steht später quer über ihrer Gestapo-Akte – und das entspricht definitiv der Wahrheit. Reinhild Gräfin von Hardenberg ist auf vielfache Weise in den Widerstandskreis um Claus Schenk Graf von Stauffenberg verwoben: auf dem elterlichen Gut in Neuhardenberg finden etliche Gespräche mit ihrem Vater statt, der nach einem erfolgreichen Umsturz für den Posten des Oberpräsidenten von Berlin und der Provinz Brandenburg vorgesehen ist. Ihr Verlobter ist Werner von Haeften, Stauffenbergs Adjutant, der mit ihm zusammen noch am Abend des 20. Juli 1944 erschossen wird.

Reinhild, gerade mal 21 Jahre alt, wird am 24. Juli verhaftet, in das Frauengefängnis Moabit gebracht und mehrmals verhört. Sie ist in ihrer Zelle erst Hitze dann Kälte, Hunger und Wanzen ausgesetzt. Nach nahezu fünf Monaten Haft wird sie unvermittelt freigelassen. Erst jetzt bricht sie zusammen.

Ihr bleiben aus der Zeit im Gefängnis Freundschaften zu Schicksalsgefährtinnen wie Clarita von Trott zu Solz, Barbara von Haeften oder Hilde Mertz von Quirnheim. Sie wird berufstätig, arbeitet als Krankenschwester und später in Düsseldorf als Sekretärin des Vorstandsvorsitzenden von Thyssen. Wie die meisten der Frauen, die ihre Männer im Widerstand verloren haben, hat sie nicht mehr geheiratet.