Nach dem Krieg verdient sie das Geld
Das Haus Wirmer in Berlin-Lichterfelde ist ein wichtiger Treffpunkt im Vorfeld des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 gewesen – Menschen unterschiedlicher Auffassungen sind dort zusammengekommen, um das gemeinsame Widersetzen gegen die NS-Diktatur zu planen. Wenige Tage nach der Verhaftung ihres Mannes Ende Juli wird auch Hedwig Wirmer von der Gestapo abgeholt.
Sie kommt recht bald wieder frei, lebt jedoch in permanenter Unsicherheit: Der Mann zum Tode verurteilt und hingerichtet, das Haus enteignet, die drei Kinder verteilt bei Freunden und den Ursulinen-Schwestern. Sie selbst taucht zwischenzeitlich unter, bis sie eine vorübergehende Bleibe bei guten Freunden im Oldenburger Land findet und Anfang 1945 die Kinder zu sich holen kann.
Nach dem Krieg gibt es zunächst nur ein Thema: den Unterhalt für die Familie bestreiten. Josef Wirmer war bei seinem Tod erst 43 Jahre alt - als freier Rechtsanwalt hatte er keinerlei Versorgung für Frau und Kinder hinterlassen - das Geld muss jetzt von Hedwig verdient werden. Sie arbeitet nach einer kurzen Lehrzeit als Putzmacherin.
1949 bietet sich ihr die Chance eines neuen beruflichen Anfangs, der neben der Absicherung des Lebensunterhalts geistige Anregung, Austausch und Begegnungen verspricht: Hedwig Wirmer zieht mit ihrer Familie nach Bonn und eröffnet im neuen Deutschen Bundestag eine kleine Buchhandlung, die sie lange Jahre erfolgreich führt. Das Rheinland wird zu ihrer neuen Heimat.