Rattenfänger sollen nie wieder Erfolg haben

Rattenfänger sollen nie wieder Erfolg haben

Annedore Leber, Tochter eines Oberstudien-Direktors, beweist schon früh Selbständigkeit und eigene Lebensvorstellungen. Gegen den Willen ihrer Eltern bricht sie das Jurastudium ab und entscheidet sich für das Schneiderhandwerk - zeitlebens wird sie für ihre elegante Erscheinung bewundert.

1927 heiratet sie den Sozialdemokraten Julius Leber; sie bekommt zwei Kinder. Als die Nazis Leber schon Anfang 1933 verhaften, damit er nicht gegen das Ermächtigungsgesetz stimmen kann, setzt sie sich unermüdlich für seine Freilassung ein – zunächst vergeblich.

Sie bringt ihre Familie mit Schneideraufträgen und dem Betrieb eines Modeateliers durch. Ab 1938 arbeitet sie als Abteilungsleiterin für Schnittmusterherstellung im Deutschen Verlag. Nach der Entlassung ihres Mannes aus dem KZ Sachsenhausen 1937 unterstützt sie ihn bei seinen Widerstandsaktivitäten und unterhält Kontakte zu Widerstandsgruppen. Auch sie ist SPD-Mitglied und in alle Aktivitäten ihres Mannes eingeweiht.

Nach der erneuten Verhaftung Julius Lebers im Juli 1944 kommt Annedore Leber mit ihren Kindern von August bis Ende September 1944 in „Sippenhaft“. Im Januar 1945 wird Julius Leber ermordet.

Nach Kriegsende sieht Annedore es als ihre „Aufgabe an, zwischen dem Toten und den Lebenden zu vermitteln, um etwas von dem Feuer seines Geistes an die Nachwelt weiterzugeben“. Sie gründet einen Verlag, gibt die ersten Bücher über den Widerstand gegen das NS-Regime heraus, versammelt die Witwen des 20. Juli und wird selbst aktive Politikerin; als Publizistin wendet sie sich immer wieder an die Jugend.

Nie wieder sollen Rattenfänger wie die Nazis mit ihren falschen Versprechungen Erfolg haben. So wird sie zu einer unermüdlichen und leidenschaftlichen Kämpferin für die Demokratie. Von Annedore Leber lernen wir, dass die Demokratie aktiv verteidigt werden muss und die Erinnerung braucht.