Trotz aller Angst der Stimme des Herzens folgen

Trotz aller Angst der Stimme des Herzens folgen

„Die beiden Mariannen“ – so werden sie von Familie und Freunden gesehen, und so sind sie vielen Menschen in Erinnerung geblieben. Zwei Frauen, die sich aus Glaubenstiefe von Anfang an gegen den Nationalsozialismus stellen, jüdischen Verfolgten helfen, gefangene Regimegegner in den Gefängnissen Tegel und Lehrter Straße betreuen und deren Angehörige unterstützen. Zwei Frauen, die „nur der Stimme des Herzens“ folgen, „trotz aller Angst und Bedenken, die in uns waren“ – so Marianne Hapig später. Das gilt auch für ihre lebenslange persönliche Gemeinschaft, mit der sie sich über gängige Konventionen und Rollenbilder hinwegsetzen.

Marianne Pünder promoviert 1923 in Nationalökonomie und arbeitet als Dozentin an der Sozialen Frauenschule des Katholischen Frauenbundes in Berlin. Anfang der Zwanzigerjahre lernt sie die Fürsorgerin Marianne Hapig kennen, die am Berliner St. Hedwig Krankenhaus arbeitet.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme und den einsetzenden Repressionen gegen Juden und Regimegegner setzen sie sich für Verfolgte ein: Manchmal gelingt es, Juden in der Klinik unterzubringen oder Patienten als Hausangestellte zu vermitteln, um sie vor einer Deportation zu schützen. Vor allem nach dem 20. Juli 1944 stehen beide Frauen den Familienangehörigen der Verschwörer bei, vermitteln Quartiere und Rechtsbeistand.

Sie gehen in die Gefängnisse in Tegel und in der Lehrter Straße, um die Inhaftierten – darunter auch Marianne Pünders Bruder Hermann – zu betreuen. Sie bringen nicht nur Lebensmittel, sondern auch heimlich Hostien und Wein für die Heilige Kommunion. Es gelingt ihnen, in der Haft entstandene Manuskripte von Alfred Delp aus dem Gefängnis zu schmuggeln und damit tief bewegende Schriften und Glaubenszeugnisse über den gewaltsamen Tod des Jesuitenpaters hinaus zu retten. Auch der Abschiedsbrief von Nikolaus Groß gelangt durch sie aus den Gefängnismauern.

Nach Kriegsende gehen beide weiterhin ihrem Beruf nach – Marianne Pünder übernimmt 1957 die Leitung der Sozialen Frauenschule. Sie engagieren sich in der neugegründeten Berliner CDU. Für die Familie bleibt die Lebensgemeinschaft der beiden Mariannen selbstverständlich, auch, dass „Tante Hapig“ nach ihrem Tod im Pünderschen Familiengrab beigesetzt wird.