Unterstützung der “Grunewald-Gefährten”
Es muss eine unbeschwerte Kindheit gewesen sein, die Emmi Delbrück in Berlin verbringt. Die Delbrück- Harnack- und Bonhoeffer-Kinder sind "Grunewald-Gefährten"; sie wohnen in der Nachbarschaft, spielen miteinander, gehen in dieselbe Schule und machen gemeinsam Musik. Emmi ist das sechste von sieben Geschwistern. Ihr älterer Bruder Justus ist eng befreundet mit Klaus Bonhoeffer, dem drittältesten der acht Bonhoeffer-Geschwister.
Emmis große Leidenschaft ist die Geige, sie studiert Musik. 1930 heiraten Emmi und Klaus Bonhoeffer, sie bekommen drei Kinder. Emmi unterstützt ihren Mann, ihren Bruder Justus Delbrück und ihre Schwäger Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher bei ihren Aktivitäten im Widerstand. Klaus wird wie Dietrich, Hans und Rüdiger kurz vor Kriegsende ermordet. Ihr Bruder Justus kommt zwar mit dem Ende des Kriegs aus der Gestapohaft frei, wird dann aber nach Kriegsende vom russischen NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) verhaftet und stirbt im Herbst 1945 in einem russischen Lager an Diphtherie.
Nach dem Krieg baut Emmi eine Flüchtlingshilforganisation auf, engagiert sich in der neugegründeten CDU und bei Amnesty International. Ab 1964 betreut Emmi Zeugen des Auschwitz-Prozesses in Frankfurt. Denn, wie sie schreibt, „offenbar hatte sich bis dahin niemand überlegt, was es für diese Menschen bedeutet, nach zwanzig Jahren jenes grauenhafte Leiden, das sie vielleicht einigermaßen überwunden glaubten, nun wieder ausgraben, bis ins Detail zurückrufen zu müssen und damit allein zu sein in einem Land, das sie nur von seiner abscheulichen Seite kennengelernt hatten.“
Bis zu ihrem Tod 1991 arbeitet sie mit ganzer Kraft gegen das Vergessen der deutschen Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus.