In Wahrheit ist ihr Andenken gefährdet

Deutscher Bundesjugendring

In Wahrheit ist ihr Andenken gefährdet

Manifest des Deutschen Bundesjugendringes verlesen am 19. Juli 1964 im Auditorium Maximum der Freien Universität Berlin

Als die Männer und Frauen starben, waren wir noch Kinder. Wir wissen nur wenig von ihnen: ein paar Namen, Briefe, Schriften, Fotos aus der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof; Bruchstücke aus ihrem Leben, das für uns Vergangenheit ist. Man sagt so oft: „Sie leben mitten unter uns. Ihr Andenken ist nicht vergessen.“

In Wahrheit ist ihr Andenken gefährdet. Wir entwerten ihre Entscheidung für Freiheit und Menschenwürde, wenn wir nicht Schluss machen mit der Ausflucht, sie hätten vor dieser Entscheidung ihrem Gewissen folgend so und andere eben anders gehandelt.

Widerstand geleistet, das Leben gewagt und geopfert zu haben, das alles muss in diesem Lande endlich anerkannt werden als die höhere und richtige Form, die zwölf Jahre Hitlerherrschaft zu bestehen.

Keiner von uns sollte die Gewissensnot derer leugnen, die sich damals nicht zum Widerstand durchgerungen haben. Aber sie sind nicht die Vorbilder, an denen junge Menschen heute ihre moralischen und politischen Entscheidungen messen können. Deshalb entscheiden wir uns für die Männer und Frauen des deutschen Widerstandes, für die Offiziere und Geistlichen, für die Arbeiter und Schriftsteller, deren Namen nur wenigen bekannt sind. Denn um den Preis von Verfemung, Tortur und Tod haben sie die Entscheidung gefällt für Freiheit, Recht und Menschenwürde.







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