Totengedenken
Feierstunde der Bundesregierung und der Stiftung 20. Juli 1944 am 20. Juli 2026 um 11:00 Uhr im Ehrenhof der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin anlässlich des 82. Jahrestages des 20. Juli 1944
- Valerie Riedesel Freifrau zu Eisenbach, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944 -
Wir gedenken unserer Toten.
Heute vor 82 Jahren starben in den Nachtstunden im Bendlerblock 5 deutsche Offiziere, die versucht hatten, gemeinsam mit anderen, Deutschland von Hitler und der Terrorherrschaft des Nationalsozialismus zu befreien. Sie waren am 20. Juli 1944 die ersten, die sterben mussten.
Ludwig Beck
Friedrich Olbricht
Claus Schenk Graf von Stauffenberg
Albrecht Ritter Merz von Quirnheim
Werner von Haeften
Ihre Namen ehren wir auf der Gedenktafel hier im Ehrenhof der Stauffenbergstraße. Sie stehen stellvertretend für alle, die am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 gegen den Nationalsozialismus beteiligt waren.
In dieser Stunde gedenken wir aller Menschen, die sich seit 1933 der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft widersetzt haben. Während die große Mehrheit der Deutschen Unrecht und Verbrechen nicht wahrhaben wollte, setzten Sie Zeichen des Muts, des Anstands und der Menschlichkeit.
Sie kamen aus allen Teilen der Gesellschaft. Es waren Frauen und Männer der Kirchen, der Gewerkschaften und der Arbeiterschaft. Es waren Unternehmer, Beamte und Angestellte, Studierende und Professoren, Soldaten unterschiedlicher Dienstgrade. Es waren Nachbarn, Freunde, Menschen, die zwischen richtig und falsch unterscheiden wollten, die Haltung zeigten.
Sie gingen einen Weg der inneren Prüfung und manchmal auch der Umkehr. Sie handelten in unterschiedlicher Weise, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Überzeugung. Aus Glaubenstiefe, aus Nächstenliebe und Achtung vor der Würde des Menschen boten sie Verfolgten Schutz.
Auf Flugblättern prangerten sie das Unrecht an, das in deutschem Namen begangen wurde. In geheimen Zusammenkünften entwarfen sie eine Neuordnung für einen künftigen deutschen Rechtsstaat und suchten Verbündete im Ausland. Sie alle riskierten ihr Leben, ihre Freiheit, Glück und Zukunft ihrer Familien.
Wir denken an die Menschen, die in Konzentrationslagern und Gefängnissen Folter und Einsamkeit durchleiden mussten und die für ihr mutiges Handeln wie Verbrecher ermordet wurden. Wir denken an jene, die den Freitod wählten, um keine Gefährten zu verraten.
Wir gedenken auch derer, die sich weigerten in Hitlers verbrecherischen Krieg zu ziehen und dafür mit dem Tode bestraft wurden.
Wir kennen etliche Namen, doch wie viele haben wir vergessen oder nie wahrgenommen. So denken wir heute mit denen, die wir nennen auch an die vielen anderen, von denen wir kaum etwas wissen. Stellvertretend rufe ich in Erinnerung:
Hermann Kaiser
Eduard Brücklmeier
Walter Cramer
Annemarie Wolff-Richter
Hans-Viktor von Salviati
Ludwig von Leonrod
Hermann Wehrle
Marianne Cohn
Bernhard Bästlein
Friedrich von Rabenau
Liselotte Herrmann
Ferdinand von Lüninck
Wir denken heute auch an ihre Ehefrauen, an junge Verlobte, Eltern und Kinder, die verwaist zurückblieben. Sie gaben ihnen die Kraft zu handeln, ihnen galten ihre letzten Gedanken.
Wir gedenken der Opfer des nationalsozialistischen Völkermords. Wir denken an Millionen Jüdinnen und Juden, die in den Vernichtungslagern ermordet wurden, an Sinti und Roma und an alle, die dem grenzenlosen Terror und menschenverachtenden Rassenwahn zum Opfer fielen. Wir denken an die Menschen, deren Leben als unwert bezeichnet und deshalb
ausgelöscht wurde.
Wir denken heute an 12 Jahre schreckliches Leiden und Tod beispiellos in ihrer Dimension.
Aber auch heute überziehen unverantwortliche Machthaber und terroristische Gruppen Länder mit Krieg und Gewalt gegen Menschen und Völker. Auch heute finden bei uns zunehmend politische Äußerungen einen Widerhall, die den Rechtsstaat und die Würde des Menschen angreifen.
Umso lebendiger bleibt daher die Mahnung unserer Toten, Gewalt und Unrecht zeitig zu widerstehen. Umso lebendiger bleibt daher unserer Verpflichtung, für die Freiheit des Gewissens und die Freiheit der Meinung Andersdenkender einzutreten und diesen mit Respekt zu begegnen. Umso lebendiger bleibt daher unser Auftrag, uns für die Würde des Menschen einzusetzen und Haltung zu zeigen.
Eine Mahnung an uns Deutsche, aber auch an Europa und die Welt.
Wir denken an unsere Toten in Dankbarkeit und Stille.
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