Nein - eine Grenze hat Tyrannenmacht!

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Karl Ibach

Nein - eine Grenze hat Tyrannenmacht!

Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Zentralverbandes Demokratischer Widerstandskämpfer- und Verfolgtenorganisationen (ZDWV) am 20. Juli 1977 in der Stadthalle Bonn-Bad Godesberg

Im Namen des Zentralverbandes Demokratischer Widerstandskämpfer- und Verfolgtenorganisationen habe ich die Ehre, Sie zur heutigen Feierstunde recht herzlich zu begrüßen.

Mein besonderer Gruß und Dank gilt den Rednern des Tages: Herrn Bundesjustizminister Dr. Hans-Jochen Vogel, der im Namen der Bundesregierung spricht, dem Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Herrn Dr. Gerhard Stoltenberg, und dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Herrn General Harald Wust.

Einer schon langjährigen Tradition entsprechend haben wir uns wieder am Jahrestag des 20. Juli 1944 zusammengefunden, um die Männer und Frauen zu ehren, die in Deutschlands dunkelster Zeit unter Einsatz von Leib und Leben für Recht und Gerechtigkeit, für Freiheit und Menschenwürde eingetreten sind. Dabei betone ich, dass der 20. Juli 1944 der Höhepunkt des Widerstandes gegen die Hitler-Tyrannei, aber nicht sein alleiniger Aspekt war. Der Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft begann mindestens am Tag der sogenannten Machtergreifung, dem 30. Januar 1933 - wenn nicht schon zuvor - und setzte sich unter heroischen Opfern, getragen von Männern und Frauen aus allen Schichten und Gruppierungen des deutschen Volkes, während der ganzen Zeit der Nazi-Diktatur fort. Diese Tatsache zu betonen, halte ich heute in Anwesenheit von vielen bedeutenden Vertretern der Europäischen Resistance für besonders wichtig.

Dieser deutsche Widerstand wird in hervorragender Weise durch den 20. Juli 1944 symbolisiert. Zugleich schafft dieser Tag eine Verknüpfung mit dem Bestreben der Bundesrepublik Deutschland in unserer Zeit und Welt einen glaubwürdigen, überzeugenden Beitrag für den Frieden und die Menschenrechte zu leisten. Darum kann die Bedeutung des Widerstandes und des 20. Juli 1944 gar nicht genug gewürdigt werden.

Mein bescheidener Beitrag zur heutigen Feierstunde soll nur noch in dem Zitat eines Dichterwortes bestehen:

Schiller lässt in seinem „Wilhelm Tell“ den jungen, feurigen Werner Stauffacher ausrufen:

Nein - eine Grenze hat Tyrannenmacht.

Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,

Wenn unerträglich wird die Last - greift er

Hinauf getrosten Mutes in den Himmel

Und holt herunter seine ew’gen Rechte,

Die droben hangen unveräußerlich

Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst.






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